Der Odenwald – Reich der Legenden und Heldensagen

Göttervater Odin
Bild: pitty666 / pixelio.de

Zur Geschichte des Odenwaldes gehört auch die um seinen Namen, denn sie führt noch heute zu kontroversen Diskussionen. Ob also die ursprüngliche Bedeutung im Zusammenhang mit dem Göttervater Odin stand, der hier seinen Anspruch auf „Odins Wald“ macht, ob sich der Name von Odem, also Atem ableitet und sich auf die Winde bezieht, die als Atem der Götter gedeutet wurden oder ob eine Wortverwandtschaft zur Öde, im Sinn von „dünn besiedelt“ besteht, ist nämlich nach wie vor nicht erwiesen. Allerdings fehlen aus größeren Teilen des Odenwaldes tatsächlich Siedlungsfunde, die beispielsweise auf eine umfassende und dichte Besiedlung des Odenwaldes in der Bronzezeit hindeuten, obwohl die früheste Besiedlung weniger Landschaften des Odenwaldes durch archäologische Funde zu einer Zeit der jüngsten neolithischen Unterstufe der Jungsteinzeit im Übergang zur Bronzezeit fassbar gemacht werden konnte.

Als die Epoche der Menschheit begann, welche in Süd- und Mitteldeutschland von ca. 2.800–2.200 v. Chr. reicht, in der die Jäger- und Sammlerkulturen sesshaft wurden und Bauern begannen, das Land urbar zu machen und Tiere zu domestizieren, gab es somit nach dem Stand heutiger Kenntnisse kaum Siedler, die sich fernab der nördlichen Randbereichen des Odenwaldes um Gersprenz und in den südlichen Landschaften des Neckartals niederließen, denn lediglich in diesen Gebieten gibt es Funde aus der Zeit der Bandkeramik, welche sogar bis in die Jahre um 5600 bis 5500 vor Chr. zurückreichen. Vor allem Höckergräber, in denen der Leichnam mit angewinkelten Armen und Beinen niedergelegt wurde und deren Erschaffung man in die jüngere Altsteinzeit datieren konnte sind es, die Hinweise auf eine Besiedlung weniger Gebiete aus dem Bereich des Odenwaldes aus dieser frühen Zeit liefern und von denen Archäologen beispielsweise eines unter der Hofmauer der späteren römischen Villa Haselburg bei Hummetroth fanden.

Einen weiteren Hinweis darauf, dass die Römer um das Jahr 100 nach Chr. ein eher spärlich besiedeltes Land im Bereich des Odenwaldes vorfanden, als sie das rechtsrheinische Decumatland in den Chattenkriegen des römischen Kaisers Titus Flavius Domitianus eroberten und unter römische Kontrolle stellten, sind auch die fehlenden Funde aus der jüngeren vorrömischen Eisenzeit, der keltisch geprägten, sogenannten Spät-La-Tène-Zeit. Zwar lagen bis zum Zerfall der römischen Macht im Jahr 260 nach Chr. große Teile des Odenwaldes im römisch beherrschten Obergermanien, aber das Land zwischen Main und Neckar besiedelten erst die Alemannen, als sie in den Odenwald drängten.

Im 5. Jahrhundert teilten anschließend die Franken unter ihrem Merowinger-König Chlodwig I den Odenwald in Gaue ein. Die größte Bedeutung für die kirchliche, kulturelle und wirtschaftliche Entwicklung im östlichen Odenwald schreibt man allerdings dem Benediktinerkloster Amorbach zu. Zusammen mit drei weiteren Benediktinerklöstern – dem Kloster Mosbach im Süden, dem Kloster Fulda im Norden und dem Kloster Lorsch im Westen des Odenwaldes – war ihm die Aufgabe von der fränkischen Zentralgewalt der Karolinger zugewiesen worden, im 7./ 8. Jahrhundert nun auch das nach wie vor siedlungsfreie, hintere Gebiet des Odenwaldes auf den kargen Buntsandsteinböden zu erschließen, nachdem zuvor durch die Christianisierung der iro-schottischen Mönche auf den für die Landwirtschaft günstigeren Muschelkalkböden des Odenwaldes bereits ein weitmaschiges Siedlungsnetz entstanden war. So wurden im 9. Jahrhundert im Bereich des südöstlichen Odenwald nahe dem dichter besiedelten Land auf den Muschelkalkböden Siedlungen angelegt und damit die Gesteinsgrenze vom Muschelkalk zum Buntsandstein überschritten.

In der Neuzeit wurde das Gebiet des Odenwaldes von namhaften Territorialherrschaften, wie etwa der Kurpfalz, der Grafschaft Katzenelnbogen, der Herrschaft Steinach oder dem Fürstentum Leinigen, um nur einige zu nennen, aufgeteilt und später abgelöst vom Großherzogtum Hessen, dem Großherzogtum Baden und dem Königreich Bayern abgelöst, aus denen dann der Volksstaat Hessen, die Republik Baden und der Freistaat Bayern wurden.

Es kann somit also durchaus davon ausgegangen werden, dass der Odenwald seinen Namen tatsächlich aufgrund seiner bis zum 9. Jahrhundert im Bereich der Buntsandsteinböden andauernden spärlichen Besiedlung verdankt, welche die Landschaft als „öden Wald“ titulierte. Allerdings liegt auch eine weitere geschichtliche Herleitung, welche die Ode, respektive in der Mehrzahl, die Oden, als Ursprung des Namens vom Odenwald nicht ausschließt recht nahe, wenn man die Nibelungensage kennt. Als Ode wird in der Regel eine Legende bezeichnet und als Wald der und Legenden und der Nibelungensage wurde der Odenwald zum Tatort des Mordes am Drachentöter und Nibelungenheld Siegfried. Wo jedoch genau die Quelle liegt, an der Hagen von Tronje Siegfrieds einzige verwundbare Stelle mit seinem Schwert zum Todesstoß traf, als dieser sich an ihr labte, wird ebenso kontrovers diskutiert, wie die Herkunft des Namens vom Odenwald. Anspruch darauf, Tatort gewesen zu sein, erheben zahlreiche Gemeinden des hessischen Odenwaldes und ob es Odenheim im Kraichgau ist, die den „echten“ Siegfriedbrunnen besitzt, oder eine der anderen Gemeinden, wird vermutlich auch schwer zu klären sein.

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